MU-Kapelle

Wie sagte Wilhelm Busch doch einmal:

 

"Musik wird oft nicht schön empfunden,

derweil sie mit Geräusch verbunden."

 

Mu-Kapelle Oldau 2006

In Oldau war dies jedoch nicht der Fall. Die Oldauer hatten schon immer einen Hang zu einer eigenen Musik - Kapelle im Dorf. Vor dem 2.Weltkrieg unterhielt die größte Vereinigung im Dorf, „Die Feuerwehr“, einen Spielmannszug unter der Leitung von Hermann Lietze. Nach 1945 war es schwer so etwas wieder ins Leben zu rufen. So versuchten einige Veteranen in den Jahren 1955-56 diesen Spielmannszug mit  16-20 jährigen wieder aufzubauen. 1 Trommel, 1 Querflöte und 1 Pauke waren Anfangsbestand an Instrumenten. Doch dieses Vorhaben scheiterte an mangelnder Ausdauer. Trotzdem gab es aber immer wieder einige Oldauer, die sich nicht damit abfinden konnten, Ein Dorf ohne Musik, nein, das musste doch zu ändern sein! Es war Schützenfest 1957 am Montag, Eiersuchen war Tradition, aber ohne Musik war es zu ruhig. Also Pottdeckel und Koffer als Pauke mussten her, eine Mettwurst als Paukenschläger. So zog die Jugend durchs Dorf, bis zu Krage. Der Koffer hatte hierbei ganz schön gelitten. Er war unbrauchbar geworden, und wenn man keine Pauke mehr hat, dann braucht man auch keinen Paukenschläger, also wurde die Mettwurst  kurzerhand gemeinsam verzehrt! 

Im Februar beim Schützenball 1958 bekam diese Kapelle neue Instrumente aus der Spielzeugkiste, somit schien die Musik fürs nächste Eiersuchen gesichert. Beim Schützenfest 1958 wurde die neue Musik-Kapelle für Umzugs- und Tanzmusik „Bensten-Naumann“ von dem späteren Posaunenengel 1, Alfred Liebig, und dem Flötenernst, Ernst Busse, unterstützt. Fritz Krage lieh der neuen Band die Pauke, die von ihm, Adolph Knoop und Heinrich Hoffmann gekauft worden war.

Schützenfest 1959 spielte „Flötenernst“ wieder mit der Musik-Kapelle „Bensten-Naumann“ während des Umzuges. Auch eine Trommel war diesmal dabei, gespielt von Gerd Puschke. Am Dienstag nach dem Zeltabbau spielten Posaunenengel 1, Flötenernst und Gerd Puschke wieder auf.

1960 war Posaunenengel 1 als Sanitäter  bei den Feuerwehrwettkämpfen in Winsen dabei. Nach den Wettkämpfen, beim fröhlichen Umtrunk in Oldau, wurde Trompete und Querflöte geholt und einige Weisen gespielt. Als es einigen Oldauern zu langweilig wurde, rief Old Joe (Gerd Hornbostel) die Mitternachtstaxe und so fuhren unser Trompeter mit Pauke und Flöte nach Wolthausen zum Schützenfest, um hier einmal aufzuspielen. Jetzt schien diese Sache ganz gut anzulaufen. Von Fritz Krage wurde auch noch ein Satz Becken gekauft. So war die Kapelle schon beinahe komplett. Alfred die Trompete, Ernst die Querflöte, Werner Thies die Pauke und Werner Mogge die Becken. Jetzt wurde der erste  Auftritt in Oldau geplant. Polterabend bei Mogge. Es fehlte der Beckschläger, Herbert Hoffmann musste ran, damit die Kapelle spielfähig war. So hat man immer versucht irgendetwas an Musik in Gang zu bringen. Inzwischen griff auch der Postillion Hermann (Hermann Hasselman) zur Trommel und machte mit.

1962 Zum Geburtstag der „Grauen Eminenz“ (Karl Reimerdes) sollte nun vorgespielt werden. Die Spielleute waren Alfred Liebig, Ernst Busse, Werner Thies, Werner Mogge und der Post Hermann. Unser Karl Reimerdes war so angetan von dieser Gruppe, dass er spontan ein Horn stiftete.

Jetzt sollte die Musik-Kapelle ihren Lauf nehmen. Schützenball 1963 wurde ein Mu-Orden an diese 5 Musiker vergeben. Daher der heutige Name „ Mu-Kapelle“. Von nun an wurde es in der Mu-Kapelle richtig  lebendig: 1 Horn war da, als Spieler wurde Franz Kaufhold gefunden. Die Schützengesellschaft Oldau unterstützte dieses Vorhaben nach Kräften.

Schützenfest 1964 wurde der Schützenumzug erstmalig neben der Kapelle „Bensten-Naumann“ auch von  der „Mu-Kapelle“  begleitet.

1965 zählte die Kapelle schon 11 Mitglieder, es war eine lebendige Gemeinschaft. Es wurden schon einige Musikstücke  bei besonderen Anlässen im Ort gespielt.

 Seid vier Jahren war ein landwirtschaftlicher Gehilfe  in Oldau. Dieser Junge spielte aber im Posaunenchor die Zugposaune. Man wollte versuchen, ihn für die Mu-Kapelle zu gewinnen. Dieses gelang sehr schnell und Hermann Kemper wurde Posaunenengel 2.

So ging der Aufbau immer weiter. Nun musste ein Raum zum Üben gefunden werden. Und so begann man zunächst bei Fritz Krage zu üben. Es folgten der alte KK-Stand, der Bahnhof, das Gemeindebüro, in der Rahtsklause bei Adolph Spohr, in der Schule und  im Feuerwehrgerätehaus. Mit Bau der Schiesssporthalle hat man bis zum heutigen Tage einen festen Übungsraum.

Im Oktober 1985 spielte die „Mu-Kapelle“ zu einem Geburtstagsständchen auf. Hier überredete Herbert Hoffmann fünf weibliche Gäste dieser Feier zum Beitritt in die Kapelle. Diese Zusagen wurden per Unterschrift auf einem Bierdeckel festgehalten. Dem damaligen Kapellenleiter Hermann Kemper oblag es nun, diesen neuen Mitgliedern ein Instrument  entsprechend Ihrer musikalischen Fähigkeiten zuzuteilen, um  Ihnen dann die niedergeschriebenen Musikstücke beizubringen. Dieses gelang Ihm mit viel Geduld aber sehr gut.

Im gleichen Jahr wurde von der „Mu-Kapelle“ eine Musikkassette aufgenommen, die in der Schützengesellschaft und auch von Nichtmitgliedern einen reißenden Absatz fand. 

Im Jahre 1992 ging die SG Oldau eine Partnerschaft mit dem SV Schönbach ein. Die „Mu-Kapelle“ nahm 1994 den - damals noch beschwerlichen - Weg auf sich, um nach einer über 8-stündigen Busfahrt in  die Oberlausitz  dort zum 1. Schützenfest aufzuspielen. 1999 spielte Sie dann dort ein zweites mal. Diese Auftritte waren  jedoch sehr anstrengend für die Flachland-Musiker, denn es musste durch Täler und über Berge marschiert werden, und das mit Musik. Da wurde so manch einem Musiker schon mal die Luft knapp. 

Früher wurden die Musikstücke nach Grifftabellen gespielt. Das Umschreiben von Noten in Grifftabellen war eine aufwendige Arbeit.  Dieses änderte sich jedoch ab dem Jahr 2003.

Mit dem Wechsel der Kapellenleitung  wurden nun neue Musikstücke nach Noten eingeübt. Auch das  Mehrstimmige erlernen ging jetzt viel einfacher und schneller als vorher. Inzwischen stehen der Kapelle über 140 Lieder für Auftritte zur Verfügung. 

Im Sommer 2006 traute man seinen Ohren nicht. Aus dem Übungsraum der Mu-Kapelle im Schützenhaus konnte man Weihnachtslieder im Dorf hören. Die Spielleute hatten nicht etwa das falsche Notenbuch eingepackt, nein es wurde geübt für die Erstellung einer Weihnachts-CD. Und so wurde Im September dieses  Jahres bei 30 Grad im Schatten die CD mit vier weiteren Musikvereinen aus der Gemeine Winsen/A. aufgenommen, um sie rechtzeitig zum Weihnachtsfest verkaufen zu können. 

Da es im hiesigen Bereich nur wenige Blaskapellen gibt, kommen Terminanfragen auch über die Grenzen unseren Landkreis hinaus. Die Mu-Kapelle spielt bei Geburtstagen, Jubiläen, Schützenfesten und vielen anderen Veranstaltungen  an ca. 40 Tagen im Jahr auf. Hieran beteiligen sich durchschnittlich 20 Musiker.

In den nunmehr 47 Jahren  haben ca. 80 Spielleute die Geschichte der Mu-Kapelle mitgestaltet. In den  nächsten Jahren wird man sich neben den musikalischen Terminen auch mit der Vorbereitung auf das 50-Jährige  Jubiläum der Mu-Kapelle im Jahre 2012 beschäftigen.

 

 

Leiter der Mu-Kapelle

  • Alfred Liebich
  • Franz Kaufhold
  • Helmuth Rathmann
  • Günter Helmers
  • Hermann Kemper
  • Thilo Hasselmann
  • Hartmut Ketterkat